Meteoriteneinschlag und Sedimentbildung

Zur Diskussion tertiärer Molasse-Transporte und -ablagerungen nach dem Ries-Impakt

Autor/innen

  • Manfred Stephan
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1998-11-01
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Die Folgen des Meteoriteneinschlags zwischen Schwäbischer und Fränkischer Alb (Nördlinger Ries; Tertiär, Obermiozän) werden nach E. Rutte und E. Buchner dargestellt. Als langfristige Folge des Ries-Ereignisses wurden gemäß der Hypothese von Rutte der Schwarzwald und die Schwäbische Alb großzügig herausgehoben. Weiter traten, hervorgerufen durch den Impakt, ungeheure Regenwasserfluten auf, die u.a. Sedimente aus nordöstlicher und südlicher Richtung in die Graupensandrinne (Brackwassermolasse) transportierten und deren oberste Lagen umschichteten. Möglicherweise wurde auch die darauffolgende Abtragung des mesozoischen Schwarzwald-Deckgebirges und sein Transport nach Süden und Südosten in Form der enormen Juranagelfluh-Geröllmassen in die Nordschweiz (evtl. auch in den Hegau) sowie der großkalibrigen Wanderblöcke (ebenfalls bis in die Nordschweiz) durch den katastrophalen Regen nach dem Meteoriteneinschlag initiiert. Dafür sprechen die sekundären Verkieselungen eines Teils der Gerölleinheiten, die von Rutte auf das Ries-Ereignis zurückgeführt werden. Abweichend von diesen Hypothesen nimmt neuerdings Buchner an, daß der ganze untere Teil der Graupensandrinne durch umgelagerte, zuvor vom Riesimpaktor ausgeworfene und anschließend in der Rinne nach Südwesten verfrachtete und ebenfalls fast völlig verkieselte Sedimente aufgefüllt wurde (wobei er keine postimpaktischen Regenwasserfluten erwähnt). Diese Ablagerungen weisen das gesamte Inventar der durch den Einschlag bewirkten Stoßwellenmetamorphose auf. Buchner schlägt sogar eine von der herkömmlichen Sicht abweichende stratigraphische Einstufung der Brackwassermolasse vor. Die Hypothesen Ruttes und Buchners werden diskutiert, wobei die Frage nach der Dauer der geschilderten Ereignisse in Bezug zu sedimentologischen Befunden, zur Biostratigraphie sowie der Bildung neuer Arten gesetzt und problematisiert wird. Eine mögliche Beziehung der Hypothesen zum "neuen Katastrophismus" sowie ihre Bedeutung für künftige Forschungen werden abschließend erörtert.

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