Embryologie und Homologie: Die Reichert-Gauppsche Theorie

Autor/innen

  • Henrik Ullrich
    sg@wort-und-wissen.de (journal.primary_contact69a81ad8c1ef3)
1994-05-01

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Phylogenetische, am Biogenetischen Grundgesetz Haeckels orientierte Homologiebetrachtungen zur Mittelohrentstehung bei Wirbeltieren führen bei Berücksichtigung aufeinanderfolgender Stadien der Ontogenese zu völlig gegensätzlichen Resultaten. Die Reichert-Gauppsche Theorie (Herleitung der Mittelohrknochen der Säugetiere aus bestimmten Kieferknochen der Reptilien) beruft sich u. a. auf die anatomisch-topographischen Verhältnisse der knorpelig angelegten Mittelohranlagen bei den Säugern. Otto ( 1984) dagegen betrachtet diese Sichtweise als irreführend und falsch: Die anatomisch-topographischen Verhältnisse im vorangehenden Blastemstadium sprächen eher dafür, die Mittelohrknochen der Reptilien (Columella) mit denen der Säugetiere (Hammer, Amboß, Steigbügel) zu homologisieren, weil in beiden Fällen die angesprochenen Strukturen Entwicklungsprodukte des zweiten und nicht des ersten Pharyngealbogens seien. Die unterschiedlich interpretierbaren Ergebnisse der deskriptiven und experimentellen Embryologie stellen jedoch den wissenschaftlichen Wert solcher auf dem Biogenetischen Gesetz beruhenden Diskussionen zur Klärung stammesgeschichtlicher Zusammenhänge generell in Frage. Das Postulat der naturgesetzlichen Verknüpfung von Embryologie und Phylogenese konnte durch die kausale Evolutionsforschung bisher nicht belegt werden.

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