Zankapfel Auge

Ein Paradebeispiel für „Intelligent Design“ in der Kritik

Autor/innen

  • Henrik Ullrich
    sg@wort-und-wissen.de (journal.primary_contact69a8b98ae959d)
  • N. Winkler
2006-05-01
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Das Linsenauge der Wirbeltiere wird in den aktuellen Kontroversen um die Evolutionstheorie sehr oft als Beispiel gewählt, um evolutionstheoretische Argumente zu verdeutlichen und um Kritik an Makroevolution zurückzuweisen. So könne man heute gerade an diesem Beispiel zeigen, wie graduelle Evolution abläuft. Die „irreduzible Komplexität“ des Auges, welche häufig als Argument für „Intelligent Design“ verwendet wird, könne man widerlegen. Zudem sprächen „Design-Fehler“ am Wirbeltierauge, insbesondere die inverse Lage der Netzhaut, gegen das Wirken eines intelligenten Urhebers und damit indirekt für Evolution. Alle diese Behauptungen erweisen sich bei näherer Betrachtung jedoch als nur schwach begründet – im Gegenteil: viele evolutionskritische Argumente können heute schärfer formuliert werden als noch zu Darwins Zeit. In Ursprungsfragen zeigt sich am Beispiel der Entstehung des Sehens und der Augen, daß mehr Wissen nicht unbedingt mehr Antworten zum Entstehungsvorgang bedeutet. So liegt der Ursprung eines ersten einfachsten funktionsfähigen Auges mehr in Dunkeln denn je. Die postulierten Übergänge zwischen verschiedenen Augentypen sind keineswegs graduell wie oft behauptet. Und die auf den ersten Blick ungewöhnliche inverse Orientierung der Netzhaut des Wirbeltierauges ist funktionell voll verständlich; daher eignet sich das Linsenauge der Wirbeltiere kaum als Beispiel für einen Konstruktionsfehler oder gar als Beweis gegen Schöpfung.

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